Als ich im August 2002 durch Micki zum ersten Mal mit FIP konfrontiert wurde, durchsuchte ich in meiner Panik nächtelang das Internet, ohne jedoch etwas wirklich Hilfreiches zu finden. Durch nette Katzenfreunde erhielt ich später aber nachfolgende auch für Laien einigermaßen verständliche Texte über diese tödliche Katzenkrankheit, die mich ermutigten, Micki in unseren Katzenhaushalt aufzunehmen.

Ich kenne den/die Autoren nicht und auch nicht das Datum der Veröffentlichung, habe aber persönlich festgestellt, daß der Stand der Dinge ziemlich aktuell ist. Sollte ich mit der Veröffentlichung ein Copyright verletzen, bitte ich um Nachricht.

Katzenheidi, Dezember 2002

FIP - Feline Infektiöse Peritonitis

Der Erreger der FIP ist ein Virus, das zur Gruppe der Coronaviren gehört.
Bei der Katze ruft das Feline Enterale Coronavirus (im Folgenden abgekürzt FECV), welches labordiagnostisch nicht vom FIP Virus zu unterscheiden ist, eine meist milde Durchfallerkrankung hervor. Es vermehrt sich in den Schleimhäuten des Magen-Darm-Kanals und des Atemwegtraktes und führt hier nur zu örtlichen Entzündungen. Das FECV hat einen hohen Infektionsgrad, d. h. es ist sehr ansteckend.

Das FIP Virus indes kann sich nicht nur in den Schleimhäuten des Magen-Darm-Kanals und des Atemwegtraktes vermehren, sondern besitzt darüber hinaus die Fähigkeit in bestimmte Zellen des Organismus, nämlich in die sogenannten Makrophagen, einzudringen. Mit Hilfe dieser Zellen kann sich das FIP Virus im gesamten Organismus ausbreiten. Nach meinem jetzigen Wissensstand (Aussage meiner TA, mitgebracht von einer Fortbildung) ist die Ansteckungsgefahr von FIP, wenn überhaupt, sehr gering. Das eigentliche klinische Erscheinungsbild der FIP Erkrankung ist vielfältig. Häufig sind erste klinische Anzeichen: Fressunlust und Gewichtsabnahme, Müdigkeit, häufig wiederkehrende Temperaturerhöhungen bzw. therapieresistentes Fieber oder Augenveränderungen.
Grob unterteilt man die FIP in zwei Formen.

Die "feuchte" ("exsudative") FIP
Sie geht einher mit einer erheblichen Umfangsvermehrung des Bauchraumes. Bei einer Punktion mit einer Nadel zeigt sich ein bernsteinfarbenes, fadenziehendes Sekret. In den meisten Fällen hat die Katze Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust und zunehmende Apathie. Es gibt aber auch Katzen, deren Allgemeinbefinden ungestört scheint. Mit Atembeschwerden, bis hin zur ausgeprägten Atemnot, verbunden ist ein Erguss in die Brusthöhle. Auch diese Variante der feuchten Form wird beobachtet. In Extremfällen zeigen die Tiere aufgrund der unzureichenden Sauerstoffversorgung sogar bläuliche Schleimhäute.

Die "trockene" ("granulomatöse") FIP
Die Krankheitszeichen sind wesentlich unspezifischer, was die Diagnose entsprechend erschwert. Auch hier können zunächst Apathie, Abmagerung, Fieber und Müdigkeit im Vordergrund stehen. Bei dieser Variante werden weiterhin Symptome beobachtet, die auf eine Beteiligung der Bauchhöhlenorgane hindeuten. So kann ein Ikterus (Gelbverfärbung von Haut und Schleimhäuten) ein wichtiger Hinweis sein. In einigen Fällen zeigen die Tiere auch zentralnervöse Erscheinungen. Diese können sich in Lähmungen, allgemeinen Störungen des Bewegungsablaufes, Missempfindungen auf der Hautoberfläche, aber auch durch Wesensveränderungen und Anfallserscheinungen äußern. Zusätzlich oder auch isoliert können die schon erwähnten Augenveränderungen auftreten.
Die granulomatöse FIP verdankt ihren Namen den pathologischen Veränderungen, die auf den inneren Organen zu beobachten sind. Es handelt sich dabei um plaqueartige Auflagerungen, die den gesamten Bauch- und Brustraum betreffen können. In besonders ausgeprägten Fällen sind diese Veränderungen am lebenden Tier vom Tierarzt zu tasten, beispielsweise auf dem Darm oder den Nieren.
Beiden Formen der FIP sind in etwa zu gleichen Teilen vertreten.

Was ist nun FIP?
Das FIP-Virus ist eine Mutation des harmlosen Durchfallvirus FECV. Diese Mutation geschieht in der Katze. Es gibt verschiedene Faktoren, die dies beeinflussen können, z.B. ein schwaches Immunsystem oder Stress. Daher tritt FIP häufiger in Haushalten mit mehreren Katzen oder Zuchten auf. Aus der Tatsache heraus, dass FIP durch Mutation in der Katze entsteht, erklärt sich auch, dass es keinen Impfstoff gegen FIP gibt. Der auf dem Markt befindliche Impfstoff wirkt gegen das FECV. Er wird in die Nase verabreicht, und zwar deshalb, weil der Impfvirusstamm sich, da er temperaturabhängig ist (Vermehrung bei Temperaturen um die 31°C), nur lokal in der Nasenschleimhaut vermehren kann und hier eine örtlich schützende Antikörperproduktion hervorruft. Wegen der im Körper vorherrschenden Temperaturen von über 38°C kann sich der Impfstoff dort nicht halten. Der Impfstoff schützt also nicht gegen FIP, sondern nur, bis zu einem gewissen Maße, vor dem erneuten Eindringen des FECV, der "Vorstufe" bzw. der Voraussetzung für FIP. Wir lassen aufgrund unseres derzeitigen Wissenstandes nicht gegen FIP impfen.

FIP-Titer
Der sogenannte FIP-Titer ist in Wirklichkeit ein "Coronavirus-Titer", da diese Methode nicht zwischen FIP und FECV unterscheidet. Nachgewiesen werden nicht die Viren, sondern die vom Körper produzierten Antikörper, die für beide Stämme gleich sind. Somit ist die alleinige Aussagekraft des Titers bezüglich einer Erkrankung des Tieres sehr eingeschränkt, wenn nicht sogar aussagelos. Es hat Tiere mit niedrigem Titer gegeben, die erkrankten, und Tiere mit einem Titer von 1:1600, die nie erkrankten. (Der Titer ist ein Maß für die Verdünnung des Blutes bei der Untersuchung, bis zu der der Virus nachgewiesen werden konnte; einen Titer von 1:1 erhält man z.B. dadurch, dass man von einem Milliliter Blut 0,5 Milliliter nimmt und diesen mit 0,5 Milliliter einer anderen Flüssigkeit mischt. Weist man in dieser Verdünnung das Virus noch nach, in der nächsten Stufe der Verdünnung aber nicht mehr, so spricht man von einem Titer von 1:1). Leider sind eine Zeit lang viele Tiere nur aufgrund eines Titers von 1:400 und mehr eingeschläfert worden. Auch heute soll es noch Tierärzte geben, die FIP nur aufgrund des Titers diagnostizieren!!!!
Eine weit höhere Aussagekraft hat die Untersuchung des Blutbildes mit einer Elektophorese des Blutes. Aber auch hier wird nur die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung festgestellt. Hier die Angaben von MEDPHARM, einem Institut in Augsburg zur FIP-Untersuchung:
Titer < 25: negativ, keine Antikörper nachweisbar
(IPT) 25 - 400: positiv, Antikörper in mittlerer Konzentration
>400: stark positiv, Antikörper in hoher Konzentration
(Die IPT-Titer sind mit den bisherigen ELISA-Titern nicht direkt vergleichbar)
Der "FIP"-Antikörper-Test weist Antikörper gegen Coronaviren nach. Bei einem positiven Ergebnis ist eine sichere Diagnose auf FIP nur im Zusammenhang mit klinischen Befunden und weiteren Laboruntersuchungen zu stellen. Umgekehrt bedeutet ein negativer Antikörper-Test keinen Ausschluss einer FIP-Erkrankung.

Folgende Laborparameter sind bei einer FIP-Erkrankung häufig verändert
(- = niedriger; + = erhöht):

Blutbild:
Erythrozyten -
Hämatokrit -
Stabkernige +
Lymphozyten -
Linksverschiebung
Elektophorese:
Gesamteiweiß +
Albumin -
a-Globulin und g-Globulin +
Bilirubin +
GOT +

Das Vet-Med-Labor merkt bei seiner FIP-Untersuchung an:
Folgende Parameter sprechen für das Vorliegen von FIP:
1. Anämie (erniedrigte Erythrozytenzahl, erniedrigter Hämatokrit, erniedrigte Hämoglobinkonzentration)
2. Lymphopenie
3. Kernlinksverschiebung (Stabkernige)
4. Hyperbilirubinämie (erhöhtes Bilirubin)
5. Leberstörung (erhöhtes GPT)
6. Erhöhtes Gesamteiweiß (meist bedingt durch eine Erhöhung der g-Globulinfraktion)
7. Albumin/Globulin-Quotient (96 % aller Katzen mit einem Quotienten > 0,81 sind nicht an FIP erkrankt. Ein Quotient < 0,6 spricht für FIP)
8. FIP-Titer
Titer < 1:100 FIP unwahrscheinlich
Titer 1:100 bis 1:400 wenn mehr als 4 der oben genannten Bedingungen erfüllt sind, ist FIP wahrscheinlich, sonst unwahrscheinlich.
Titer > 1:400 und mindestens 3 pathologische Laborparameter, dann ist FIP wahrscheinlich.

Eine Diagnose auf FIP ist also recht schwierig. Der TA kann in der Regel, unter Berücksichtigung aller Faktoren, d.h. der klinischen Befunde und der Auswertung der Blutparameter, auf einen FIP-Verdacht schließen. Eine absolute Sicherheit aber gibt es nur, wenn das Virus direkt im Punktat bzw. in einer Organbiopsie nachgewiesen wird. Der Umkehrschluss, dass, wenn nichts nachgewiesen wird, das Tier dann keine FIP hat, ist nicht zulässig!
Warum ist eigentlich ein hoher Titer für das Tier gefährlich?
Der Titer beschreibt, wie schon erwähnt, den Gehalt an Antikörpern im Serum; je höher der Titer, desto mehr Antikörper im Serum. Bei den meisten bekannten virusbedingten Infektionskrankheiten ist ein hoher Antikörper-Titer das Zeichen für ein gutes, belastungsfähiges Immunsystem. Daher impfen wir ja auch unsere Tiere gegen virusbedingte Krankheiten. Leider trifft das aber bei der FIP nicht zu - hier ist es sogar umgekehrt, ein hoher Antikörper-Titer ist schlecht und schädigend. Warum?
Wenn sich das FIP-Virus (das sogenannte Antigen) im Körper der Katze verteilt, heften sich die vom Immunsystem der Katze gebildeten Antikörper an das Virus und bilden einen sogenannten Antigen-Antikörperkomplex. Und das hat fatale Folgen.
Die Immunkomplexe aktivieren im Organismus eine Lawine von Ereignissen, die dazu führen, dass Zellmembranen durchdrungen und zerstört werden, Entzündungszellen aktiviert und Blutgefäße durchlässig werden. So ist es schließlich nicht das Virus, was die Katze tötet, sondern die Immunreaktion des Tieres. Das Tier bringt sich selber um.
Das heißt aber nicht, und da wiederhole ich mich, dass man ab einer bestimmten Titerhöhe die Wahrscheinlichkeit eines FIP-Ausbruchs voraussagen kann, bzw. bei negativem Titer und vorhandenem klinischen Erscheinungsbild eine FIP ausschließen kann. Denn ein hoher Titer kann FECV-bedingt sei, dagegen hat man bei Tieren mit negativem Titer nach ihrem Tod durch eine Organbiopsie das FIP-Virus nachgewiesen. Man kann also nicht sagen, ob eine Katze immun ist, ob sie das Virus ausscheidet oder ob sie erkranken wird.

Maßnahmen?
Der Charakter der FIP macht vorbeugende Maßnahmen wie Impfen zur Zeit unmöglich. Es ist nicht möglich, das FIP-Virus zu isolieren und zu züchten, um einen geeigneten Impfstoff zu gewinnen. Die Krankheit entsteht in der Katze und ist zum Teil "katzenspezifisch". Es gibt nur die Möglichkeit der FECV-Impfung, die ein eindringen der Vorstufe, des FECV, verhindern soll.
So bleiben nur Managementmöglichkeiten übrig, d.h. möglichst stressfreie Haltung der Katzen. Nur wie praktikabel ist das in der Realität? Eine andere Möglichkeit, die FIP zu eliminieren, ist FECV-freie Bestände anzustreben. Das erreicht man nur, wenn man die Kitten frühestmöglich
(2. - 6. Woche) von den anderen Katzen isoliert und von Hand aufzieht, so dass sie keinen Kontakt zu FECV-Tieren haben. Dies macht aber nur Sinn, wenn auch nicht alle, aber dennoch der überwiegende Teil der Züchter sich an solch einem Programm beteiligen würde. Denn was nützt es, wenn ich meine Tiere FECV-frei halte, sie aber bei der nächsten Gelegenheit, wenn sie das Haus verlassen, mit FECV -Tieren in Kontakt kommen?

Ansteckung
Hier gehen die Meinungen im Augenblick, meines Wissens nach, ein bisschen auseinander. Zum Teil geht man davon aus, dass das FIP-Virus nicht ansteckend ist sondern nur die Vorstufe, das FECV. Andere Quellen gehen von einer Infektion durch das FIP-Virus aus. Antikörper sind in den meisten Fällen 7-10 Tage nach Kontakt mit Virusträgern (FIP oder FECV) im Serum nachweisbar. Die Inkubation bei FIP dauert in der Regel 2-3 Wochen. Es gibt aber auch Fälle, bei denen klinische Symptome erst nach Monaten oder Jahren im Anschluss an eine Infektion aufgetreten sind.
Das Virus ist bei 0° C über Wochen infektiös (Kot im Garten im Winter!), wird aber bei Raumtemperatur innerhalb eines Tages inaktiviert. Bei 56 °C dauert dieser Prozess sogar nur knapp eine Minute. Als wirksames Desinfektionsmittel eignet sich Alkohol, aber auch Reinigungsmittel, die üblicherweise im Haushalt angewendet werden.

Heilung
Eine Heilung der FIP ist nach meinem Erkenntnisstand nicht möglich. Ich habe wohl gehört,dass einige Tierärzte Therapieversuche mit Immunsuppressiva (Medikamente die das
körpereigene Abwehrsystem unterdrücken, z. B. Kortison) durchgeführt haben sollen. Über den Verlauf dieser Versuche und deren Ergebnisse ist mir aber nichts bekannt.

FIP - Feline Infektiöse Peritonitis
Eine Information des CFA Health Committees
Zusammengefasst von Dr. Susan Little September 1999

Zu den am wenigsten begreifbaren und noch immer rätselhaften felinen Viren gehört das Feline Coronavirus - jenes Virus, das für die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) verantwortlich ist. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dies eine der am meisten gefürchtetsten Krankheiten in den Catteries ist. Viele Zuchten, die schon über mehrere Jahre bestehen, beginnen beim Thema FIP abzublocken. Trotz des Umstandes, dass diese Krankheit in der Cat Fancy kein Geheimnis ist, werden befallene Catteries falscherweise sofort gemieden und geächtet. Alle Züchter sollten sich bemühen, diese Krankheit zu begreifen und lernen, wie man sie bekämpft.
Während die erste Beschreibung (1963) der Felinen Infektiösen Peritonitis von Dr. Jean Holzworth stammt, gibt es Berichte von klinischen Fällen, die höchstwahrscheinlich FIP waren, seit etwa 1914. Obwohl wir seit langer Zeit dieses Virus kennen, wissen wir frustrierend wenig darüber. Jedenfalls wurden in den vergangenen 5 Jahren viele neue Forschungen begonnen, die nun langsam Licht in dieses allgegenwärtige feline Gesundheitsproblem bringen. Dieser Artikel soll einige der neueren Informationen aufzeigen und einige der alten Vorstellungen, wie sie in den verschiedenen Medien veröffentlicht wurden, entkräften.
Im Gegensatz zu anderen felinen Viren wirkt das Feline Coronavirus auf unterschiedliche Weise:

37766. Systemische Antikörper haben keine Schutzfunktion für die Katze und könnten eine Rolle bei der FIP selbst spielen
37767. Antikörper-Titer haben keine Aussagekraft für die Diagnose oder Prognose von FIP
37768. Eine Impfung ist erhältlich, aber es gibt keine einheitliche Meinung über die Wirksamkeit oder Sicherheit

Vorerst einige Bemerkungen zur Terminologie (Bedeutung der Worte und Abkürzungen):
·FIP ist der Ausdruck für die klinische Erkrankung, die mit einer Felinen Corona-Virus-Infektion in Zusammenhang gebracht wird.
·Die normal gutartige Form des Felinen Coronavirus wird als FECV (Felines Enteronales Coronavirus) bezeichnet.
·Wenn FECV zu einer krankheitsverursachenden Form mutiert, spricht man vom FIPV (Felines Infektiöses Peritonitis Virus).
·Im allgemeinen werden die Felinen Coronaviren als FcoV bezeichnet.

FECV ist ein sehr verbreitetes, hoch infektiöses Katzenvirus. Es gehört zur Familie der Coronaviren, deren Mitglieder auch andere Spezies infiziert (Menschen, Schweine, Rinder, Pferde, Vögel, Hunde). Die Mehrzahl der Katzen mit FECV (etwa 95 % oder mehr) bleiben gesund. Nur in einigen wenigen Fällen ist die FECV-Infektion das erste Glied in einer Kette von Ereignissen, die zu FIP führt. Das passiert deswegen, weil Coronaviren aus einer großen Zahl von Nukleotiden bestehen, dem genetischen Grundmaterial, und diese sehr zu Mutationen neigen. Während des Reproduktionsvorganges des Virusses passieren beim Kopieren dieser Nukleotiden immer wieder Fehler. Je mehr Nukleotiden, desto mehr Fehler sind möglich. Während die meisten dieser Fehler harmlos sind, ermöglichen einige dem FECV, die Krankheit auszulösen. Diese mutierten FECV-Arten werden FIPV genannt.
Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass mutierte FECVs innerhalb einer Katze wachsen. Deshalb wissen wir jetzt, dass die große Mehrheit aller Katzen FIP nicht "fängt", sondern aus ihren mutierten FECV selbst entwickelt. Eine Übertragung der FIP von Katze zu Katze wird als selten betrachtet. Dieses Faktum hat dazu geführt, dass FIP-Forscher nunmehr sagen, eine an FIP erkrankte Katze stellt kein besonderes Gesundheitsrisiko für andere Katzen dar und muss daher nicht isoliert werden.
Es wurde angenommen, dass in Multi-Katzenhaushalten, wo FECV Eingang gefunden hat, ca. 80 - 90 % der Katzen infiziert sind. Speziell Catteries sind sehr wahrscheinlich FECV positiv, weil der Verkehr von Katzen und Kitten in und aus der Einrichtung üblich ist. Zum Vergleich dazu ist das Auftreten von FIP sehr gering. Im allgemeinen haben die meisten Catteries über die Jahre weit weniger als 10 % Verluste durch FIP erfahren. Es gibt nur ganz wenige Aufzeichnungen, wo eine scheinbare FIP-Epidemie in Zusammenhang mit einer höher als 10 %-igen Sterblichkeitsrate, gemessen über einen kurzen Zeitraum, gebracht wird. Ein möglicher Faktor in diesen Epidemien ist das Ausscheiden von bösartigen Viren, eine eher ungewöhnliche Situation. Meistens sind Verluste nur sporadisch und unvorhersehbar. Das gefährdete Alter für FIP-Verluste ist die Zeitspanne vom 6. Lebensmonat bis zum 2. Lebensjahr (mit der höchsten Auftretens-Rate im Alter von 10 Monaten). Eine altersbedingte Immunität gegen FIP erscheint möglich. Eine FIP-Übertragung von einer trächtigen Mutter auf ihre ungeborenen Kätzchen konnte bisher nicht bewiesen werden.

Was sind die Faktoren, die einen kleinen Prozentsatz der Katzen mit FECV zur Entwicklung von FIP prädisponieren? Derzeit sind Forschungen im Gange, um Antwort auf diese Frage zu bekommen, aber einige Fakten sind bereits klar erkennbar. Dr. Janet Foley und Dr. Niels Pedersen von der Universität von Kalifornien in Davis haben drei Grund-Risikofaktoren erkannt:

37781. Genetische Anfälligkeit
37782. Das Vorhandensein von chronischen Ausscheidern und
37783. Ein besonders hohes Katzenvorkommen, was die Verbreitung von FECV begünstigt.

Eine genetische Prädisposition zur Entwicklung von FIP wurde von Dr. Foley und Dr. Pedersen bereits 1996 festgestellt. Sie prüften Pedigrees und Gesundheitsdaten von 10 Generationen Katzen in den verschiedenen Zwingern und fanden heraus, dass die Vererbbarkeit der Anfälligkeit für FIP sehr hoch sein kann (um die 50 %). Es ist wohl eher ein polygenes Merkmal als nur einfach eine dominante oder rezessive Spielart von Vererbung. Inzucht als solche stellt keinen Risikofaktor dar. Das Selektieren auf eine allgemeine Krankheitsresistenz ist ein sehr hilfreiches Werkzeug für Züchter. Der wahrscheinliche Fehler in der Immunität gegenüber FIP liegt in der zellbedingten Immunität. Deshalb sind Katzen, die anfällig für FIP sind, auch sehr wahrscheinlich anfällig gegen einige andere Infektionen, besonders Pilz- und Virus-Infektionen. Diese Erkenntnisse gibt Züchtern die Möglichkeit, bei der Reduktion des Risikos FIP erfolgreich zu sein: durch die Anwendung von Pedigree-Analysen und der Selektion von Zuchtkatzen nach Familienhintergrund mit einer starken Resistenz gegen FIP und andere infektiöse Krankheiten.

Die Forschung hat gezeigt, dass es bei der Infektion mit FECV zwei Hauptmuster gibt. Die meisten Katzen werden infiziert und genesen wieder, sind aber nicht immun. Sie sind anfällig für die Wiederinfektion, sobald sie wieder mit dem Virus in Kontakt kommen. Eine kleine Zahl von Katzen infizieren sich, genesen aber nicht mehr. Sie werden dauernde Ausscheider von FECV im Zwinger und sind die Ursache für die Wiederansteckung der anderen Katzen. Deshalb ist der Schlüssel zur Elimination von FECV (und damit auch des FIP-Risikos) in einer Zucht das Erkennen und Entfernen von chronischen Ausscheidern. Derzeit gibt es jedoch noch keinen einfachen Weg festzustellen, welche Katzen in einem Zwinger ständige Ausscheider sind. Der traditionelle Antikörper-Titer für FECV kann nicht für die Feststellung von chronischen Ausscheidern angewendet werden. Die wirkungsvollste und praktischste Art ist die PCR-Analyse der Fäkalien auf das Vorhandensein von FECV, ein Test, der noch immer nicht überall verfügbar ist.
Zusätzlich zum Aufbau von krankheitsresistenten Zuchtstöcken können Züchter wirtschaftliche Praktiken anwenden, um die Ausbreitung von FECV und die Entstehung von FIP hintanzuhalten. Viele Katzen auf engem Raum begünstigen die Übertragung des höchst ansteckenden FECV. Dr. Diane Addie von der Universität Glasgow in Schottland empfiehlt die individuelle Katzenhaltung als idealen Weg für Catteries. Da dies aber nicht immer möglich ist, empfiehlt sie die Haltung von Zuchtgruppen von nicht mehr als 3 oder 4 Katzen. Jungtiere sollten in Altersgruppen gehalten werden und nicht mit erwachsenen Katzen der Cattery zusammenkommen. Jede Maßnahme, die den Umgebungsstress und den sozialen Stress in der Zwinger-Population verringert, hat Besserungseffekt.
FECV wird in erster Linie über den fäkal-oralen Weg verbreitet und, seltener, durch Speichel und Atemtröpfchen. Das Virus kann in der Umgebung in getrockneten Fäkalien im Katzenstreu 3 bis 7 Wochen leben, darum ist das hemmungslose Reinigen von Käfigen und Katzenklos wichtig, um die Zahl der Viren in der Umgebung zu senken. Es ist wichtig, genügend Katzenklos zum Wechseln zu haben, dass die Streu täglich gereinigt wird und die Klos wöchentlich gewaschen und desinfiziert werden. Katzenklos sollten getrennt von Futterschüsseln aufbewahrt werden und auf dem Boden verstreute Streukörnchen sollten regelmäßig mit dem Staubsauger entfernt werden.
Dr. Addie hat auch die Methode der frühen Entwöhnung und Isolation der Jungtiere einer FECV-positiven Mutter beschrieben. Diese besteht aus einer rigorosen, getrennten Aufzuchts-Technik, um die Ausbreitung des höchst ansteckenden FECV zu vermeiden, und ist daher nicht für jeden Züchter oder jede Cattery geeignet. Zuerst wird die trächtige Katze in einem eigenen Raum isoliert, um die Kätzchen zu bekommen. Wenn sie 5 oder 6 Wochen alt sind (der Zeitpunkt, wo ihre maternale Immunität gegen das FECV langsam schwindet), werden sie von der Mutter getrennt und separat gehalten. Einige der Schwierigkeiten dabei sind die erforderlichen strikten Desinfektionsprozeduren und die möglichen Sozialisierungsschwierigkeiten bei den Jungtieren. Wenn es jedoch gewissenhaft ausgeführt wird, können nicht nur FECV-negative Kitten produziert werden, sondern die Kitten sollen auch oft weniger anfällig gegen Atemwegserkrankungen und andere bekannte Jungtierkrankheiten sein.

Wie so viele Aspekte der FIP bleibt auch das Testen problematisch. Es gibt bis heute keine Möglichkeit, gesunde Katzen auf die Wahrscheinlichkeit, FIP zu bekommen, zu untersuchen.

Antikörper-Titer stehen in keiner Beziehung zum Risiko der FIP und sollten nicht für die Beurteilung der Katze herangezogen werden. Sowohl bei der Interpretation des Tests als auch bei der Kontrolle der Qualität eines Labors gibt es Probleme. Ein paar wenige Labors bieten neuere Tests auf DNA-Basis an, von denen behauptet wird, sie seien FIP-spezifisch. Diese Tests sind jedoch noch nicht ausreichend von Experten geprüft worden, sie sind keiner wissenschaftlichen Überprüfung durch Forscher außerhalb der Laboratorien, wo sie entwickelt wurden, zugeführt worden. Zusätzlich dazu gibt es keine veröffentlichten Studien, die den genetischen Unterschied zwischen FECV und FIPV festgestellt haben. Das Cornell Feline Health Center (das Zentrum für Feline Gesundheit an der Cornell-Universität) veröffentlichte 1998 einen Artikel, in dem gewarnt wird, daß der sogenannte FIP-spezifische ELISA-Test auf nicht ausreichenden Daten basiert und die Aussagen noch keinen Wert haben.

Der Umstand bleibt, daß wir bei gesunden Katzen keine Möglichkeit haben, FIP festzustellen. Noch haben wir einen idiotensicheren Weg, FIP in einer kranken Katze zu diagnostizieren.

Was uns bleibt, ist eine Biopsie oder die Erkenntnisse nach einer Nekropsie. Erst kürzlich hat Dr. Andrew Sparkes und Coll. von der Universität in Bristol, England, vorgeschlagen, dass sich mit dem Kombinieren von verschiedenen Testresultaten (Globulinspiegel, Lymphozytenzahl), zusammen mit klinischen Erkenntnissen und dem Antikörper-Titer FIP mit einem gewissen Grad an Sicherheit feststellen oder ausschließen lässt. Trotzdem bleibt es dabei, daß ein negativer Antikörper-Titer FIP nicht ausschließt, noch gestattet ein positiver Titer die Diagnose FIP. Ein Vorteil der neuen, DNA-basierenden Tests könnte die Verwendung von Körperflüssigkeit sein, wie Flüssigkeiten aus Ansammlungen im Brust- oder Bauchraum einer kranken Katze. Wird das Virus in diesen Flüssigkeiten gefunden, bestätigt dies die vermutete Diagnose von FIP.

Das wahrscheinlich umstrittenste Gebiet in jeder FIP-Diskussion ist Primucell FIP, die Impfung von Pfizer Animal Health, die seit 1991 auf dem Weltmarkt ist. Der Impfstoff ist ein modifiziert-lebender, temperaturempfindlicher viröser Mutant, zugelassen für intranasale Anwendung bei Katzen ab einem Mindestalter von 16 Wochen. Der Erzeuger empfiehlt eine jährliche Wiederholungsimpfung, obwohl keine Studien über die Fortdauer der Immunität vorhanden sind. Der Impfstoff ruft eine örtlich begrenzte Immunität hervor und produziert auch einen Antikörper-Titer. Die Beurteilung von Risiken und Vorteilen im Zusammenhang mit diesem Impfstoff ist ein schwieriges Unterfangen und hat zu vielen Auseinandersetzungen geführt.

Weil FIP eine schwere und tödliche Krankheit ist, bedeutet die Sicherheit jeder Art von Impfstoff allerhöchste Priorität. Dr. Fred Scott vom Cornell Feline Health Center schloss in einem kürzlich veröffentlichten Vortrag, dass die Risiken im Zusammenhang mit dem Primucell FIP-Impfstoff in den meisten Situationen minimal sind. Er merkt an, dass der Impfstoff seit 7 Jahren verwendet wird, bei keinem Ansteigen der Häufigkeit von FIP. Beunruhigende Berichte über ein Phänomen, genannt "antikörper-abhängige Steigerung" (ADE - antibody-dependent enhancement) der Infektion, beruht auf einigen Laboratorien, wo Katzen, die mit dem Impfstoff geimpft und experimentell mit dem Virus angesteckt wurden, die Krankheit mit einem beschleunigten Verlauf entwickelten, anstatt vor ihr geschützt zu sein. Es ist nicht bekannt, ob dieses Phänomen ADE auch unter normalen Umständen vorkommt, und man kann es auch nicht leicht herausfinden. Sollte es tatsächlich vorkommen, so ist es wahrscheinlich ein höchst ungewöhnliches Ereignis, aber schon allein die Möglichkeit bleibt beängstigend.

Andererseits scheinen die Vorteile des Primucell FIP-Impfstoffes ebenfalls nur gering zu sein. Die beste Effizienz für den Impfstoff wird erzielt, wenn FCoV-negative Katzen im Mindestalter von 16 Wochen zweimal im 3-Wochen-Abstand geimpft werden, berichtet Dr. Nancy Reeves in einer Studie, die 1995 veröffentlicht wurde. In dieser Studie wurden FCoV-negative Katzen geimpft, ehe sie in ein großes Katzenheim gebracht wurden, wo FIP endemisch (immer wieder auftretend) war. Die geimpften Katzen wiesen eine signifikant niedrigere Todesrate auf als die nicht geimpften Katzen. Die Wirksamkeit der Impfung wird mit 75 % kalkuliert (vermeidbarer Bruchteil).

In Zwingern, wo FIP immer wieder auftritt, so haben Studien bewiesen, hat der Impfstoff keine Auswirkung auf die Häufigkeit der Erkrankungen. Eine der Ursachen dafür könnte sein, das die meisten Kitten in den Catteries zwischen der 6. und 10. Woche infiziert werden, also lange vor dem 16-Wochen-Alter, für das der Impfstoff zugelassen ist. Ist eine Katze mit FCoV erst einmal infiziert, hat die Impfung keinen Vorteil mehr. Einige Züchter haben den Impfstoff früher als in der 16. Lebenswoche angewandt, um dieses Problem zu umgehen. Dr. Johnny Hoskins hat ein Impfprotokoll für Catteries ausgearbeitet, wo weniger als 16 Woche alte Kitten immer wieder der FIP zum Opfer fielen. Er empfiehlt, den Impfstoff im Alter von 9, 13 und 17 Wochen zu geben, mit jährlicher Auffrischung. Will man dieses Protokoll anwenden, muss man wissen, dass noch keine Studien an Kitten unter einem Alter von 16 Wochen angestellt wurden und dass die Verwendung in diesen Altersstufen entgegen der Gebrauchsanweisung ist. Es scheint so, als ob die Verwendung des Impfstoffes nach Gebrauchsanweisung des Erzeugers auf die Impfung von FCoV-Antikörper-negativen Katzen, welche Situationen mit erhöhtem Risiko, wie es z.B. in Zwingern und Tierheimen der Fall ist, ausgesetzt sind, beschränkt ist.

Quellen-Nachweis:
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13.Report from the International FIP/FECV Workshop, University of California, Davis, CA, Feline Practice Vol 23 (3): 1995


Pathogenese und Diagnostik der Felinen Peritonitis (FIP) der Katze
M. Reinacher, Institut für Veterinär-Pathologie der Universität Leipzig, Margarete-Blank-Str. 4, 04103 Leipzig, Tel. 0341-9738270, Fax 0341-9738299, E-Mail: reinach@vetmed.uni-leipzig.de

Fortbildungsveranstaltung Ludwigsburg, Herbst 1996

Bei ca. 14% der zur Sektion eingesandten Katzen findet sich als Krankheitsursache eine Feline Infektiöse Peritonitis (FIP). Die FIP ist damit zusammen mit der FeLV-Infektion eine der beiden häufigsten tödlichen Infektionskrankheiten unserer Hauskatzen. Ähnlich wie bei der FeLV-Infektion ist auch bei der FIP eine Infektion mit dem entsprechenden Coronavirus wesentlich häufiger als der Ausbruch der Krankheit. Die meisten infizierten Tiere können die Infektion beenden, ohne dass es zur praktisch immer tödlichen Krankheit "Feline Infektiöse Peritonitis" kommt.
Pathogenetisch gesehen handelt es sich um eine Immunkomplexerkrankung, die sich in Form einer Vaskulitis und Perivaskulitis äußert. Der natürliche Übertragungsweg ist nicht gesichert, jedoch geht man davon aus, dass das Virus meist im Bereich der Kopfschleimhäute oder des Magen-Darmtraktes eindringt, sich vermehrt und über infizierte Makrophagen im Körper verteilt.
Die Inkubationszeit der FIP ist sehr variabel, kann zumindest experimentell nur einige Tage betragen, liegt bei Jungtieren erfahrungsgemäß oft im Bereich von 2 bis 3 Wochen, kann sich jedoch vor allem bei älteren Katzen auch auf mehrere Monate belaufen. Ebenso ist bekannt, dass infizierte Tiere, bei denen die Krankheit nicht zum Ausbruch kommt, über Monate hinweg Träger und Ausscheider des Virus sein können.
Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Er kann, vor allem bei nur wenigen Wochen alten Tieren, perakut bei gleichzeitig starker Exsudation in Körperhöhlen sein. Vor allem bei älteren Tieren kommt es jedoch häufig zu einem sich über Wochen hinziehenden, im Ausprägungsgrad der klinischen Symptome wechselnden Krankheitsbild.
Im Vorbericht der zur Sektion eingesandten Katzen werden meist wechselndes und therapieresistentes Fieber, Ikterus, erhöhte Leberwerte, mäßige Anämie, neurologische Symptome, Hyperproteinämie, Hypergammaglobulinämie und Hyperfibrinogenämie sowie Ergüsse in Körperhöhlen angegeben.
Bei der Sektion findet sich bei der exsudativen (feuchten) Form der FIP, die bei Jungkatzen häufiger auftritt als bei älteren Tieren, ein bernsteinfarbener, zellarmer (durchsichtiger), oft Fibrinfäden enthaltender und an der Luft gelierender Erguss in einer oder mehreren Körperhöhlen (Bauchhöhle, Brusthöhle, Herzbeutel). In den entsprechenden serösen Häuten liegen dann immer auch Granulome in Gefäßnähe vor. Bei der parenchymatösen (trockenen) Form der FIP sind keine Ergüsse, sondern nur Granulome zu sehen, die z. T. eine beträchtliche Größe erreichen. Prinzipiell können die Granulome in allen Parenchymen und Geweben auftreten, am häufigsten finden sie sich jedoch in den Serosen (Bauchfell, Pleura, Herzbeutel), subserös akzentuiert in den entsprechenden Parenchymen von Leber, Milz und Lunge, in den Nieren, in der Leptomeninx und im Auge. Die gefäßassoziierten Granulome im Augenhintergrund lassen sich intra vitam leichter erkennen als bei der Sektion. Postmortal sind sie ebenso wie die Granulome in Lymphknoten am ehesten noch histologisch nachweisbar.
Differentialdiagnostisch ist vor allem bei großen Granulomen auch an eine Tumorbildung zu denken. Hier kommt an erster Stelle die Leukose in Form von Lymphosarkomen in Frage. Ein Unterscheidungsmerkmal ist der in der Niere der Katze aufgrund der deutlichen Venae stellatae auch makroskopisch schon feststellbare Gefäßbezug der FIP-Granulome, der bei leukotischen Infiltraten nie gegeben ist. Bei der exsudativen Form der FIP ist differentialdiagnostisch an andere Exsudate, die aber fast immer zellreich und damit trübe sind, sowie an Transsudate zu denken. Bei den Transsudaten liegen keine Granulome vor, wie sie bei der FIP immer vorhanden und zumindest histologisch nachweisbar sind, und der Proteingehalt ist geringer.
Der histologische Charakter der FIP-Granulome als pyogranulomatös-nekrotisierende Entzündung mit Gefäßbezug ist meist ausreichend, um die Diagnose einer FIP zu sichern. Manchmal ist jedoch der Entzündungscharakter überwiegend plasmazellulär oder zumindest nicht eindeutig, so dass auch andere Entzündungsursachen in Frage kommen. Prinzipiell ist hier als mögliche spezifische Ätiologien vor allem an mykotische Granulome, Toxoplasmose und Tuberkulose zu denken.
Vor allem in solchen Fällen bringt dann ein immunhistologischer Erregernachweis die letzte Sicherheit in der ätiologischen Diagnose. Dieser ist mit entsprechenden Antiseren und entsprechender Technik ohne große Schwierigkeiten möglich und sollte zumindest in allen Zweifelsfällen und bei forensischer Fragestellung auf jeden Fall durchgeführt werden. Es gilt jedoch zu bedenken, dass der Erreger praktisch ausschließlich in den Makrophagen nachgewiesen werden kann, die sich in den FIP-Granulomen befinden.
Zum intravitalen Nachweis vor allem der trockenen Form der FIP haben wir einen kompetitiven ELISA getestet, der FIP-spezifische, lösliche Immunkomplexe in Serum, Plasma oder Exsudat nachweist. Dieser ELISA wurde ursprünglich von Dr. Nancy Pfeiffer, SmithKline Beecham Animal Health, Nebraska, USA, entwickelt, um experimentell infizierte Katzen zu überwachen. Von uns wurde der Test optimiert und adaptiert. Im Rahmen einer Dissertation von Frau Simone Schroo wurden dann über 2000 Katzen mit diesem ELISA untersucht. Alle FIP-Diagnosen wurden durch Sektion, Histologie und Immunhistologie abgesichert.

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ein negatives Testergebnis kann eine FIP nicht ausschließen. Dies beruht vor allem darauf, dass, wie bei allen Immunkomplexerkrankungen, der Serumspiegel an löslichen Immunkomplexen zyklisch schwankt. Es werden jedoch bei trockener FIP immerhin ca. 80% durch ein positives Testergebnis erfasst. Ein positives Testergebnis bei gesunden Tieren belegt lediglich, dass die Katze FIP-Virus in größeren Mengen vermehrt und deshalb als potentielle Ansteckungsquelle zu betrachten ist, hat jedoch keinen prädiktiven Wert hinsichtlich der Entwicklung einer FIP. Ein positives Testergebnis bei einem kranken Tier belegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 97%, dass die Katze wirklich an FIP erkrankt ist. Somit steht erstmals ein Labortest zur Verfügung, der als Einzeltest bei einer kranken Katze angewandt mit sehr hoher Sicherheit eine FIP nachzuweisen in der Lage ist.